Viele Autofahrer halten sich für so eigenverantwortlich, dass sie die Pflicht, Winterreifen aufziehen zu müssen, wenn dementsprechende Straßenverhältnisse herrschen, für reine Bevormundung und sogar Geldmacherei in doppelter Hinsicht halten. Der Staat verdient an den Strafen, die verhängt werden, wenn sich jemand nicht an das neue Gesetz halten wird. Zudem verdient er an den Umsätzen, die die Reifenhersteller und Händler machen. Mancher denkt, dass er mit Sommerreifen auch an jedes Ziel kommt, wenn er nur langsam genug fährt. Das langsame Fahren ist schön und gut, doch der Bremsweg ist dennoch um vieles länger, wenn man rutscht. Ein Kind, ein alter Mensch, ein Tier auf der Straße und schon ist die Katastrophe perfekt: Man kann nicht mehr bremsen, bringt sich selbst und andere in Lebensgefahr. Andere Fahrer werden durch das langsame Fahren zum Überholen animiert – waghalsige Manöver sind die Folge.
Schon ab einer Temperatur von etwa acht Grad Celsius ist es besser, mit Winterreifen zu fahren, als mit den härteren Sommerreifen. Winterreifenpflicht herrscht laut neuem Gesetz dann, wenn die Straßen vereist, voller Schnee oder Schneematsch sind, oder es schneit. Minusgrade allein reichen ebenfalls aus, um die Geldbuße bezahlen zu müssen, sofern man bei einer Kontrolle mit Sommerreifen erwischt wird. Gefährdet man sich oder andere Verkehrsteilnehmer zum Beispiel durch ein Bremsmanöver mit anschließender Kollision, ist die Geldbuße gleich doppelt so hoch. Zudem gibt es „gratis“ noch Punkte in Flensburg oben drauf. Das alles macht seinen Sinn, denn die Unfallgefahr wird sich mit jedem Sommerreifen, der im Winter von der Straße verschwindet, reduzieren. Die Winterreifenpflicht ist also absolut keine Geldmacherei.
